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Freude im alltag entdecken

Das Leben mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang stellt Sie und Ihren Angehörigen vor neue Herausforderungen. Wir möchten Ihnen praxisnahe Tipps geben, wie Sie Ihren Alltag mit Ihrem Stoma ohne große Einschränkungen und mit viel Lebensfreude genießen können.

Grundsätzlich kann man mit einem Stoma und der richtigen Stomaversorgung (Stomabeutel) alles unternehmen und leben wie vorher, mit einer wichtigen Ausnahme: Das Heben von schweren Lasten ist absolut verboten. Keine Wasserkisten, keine vollen Wäschekörbe mit nasser Wäsche, keine größeren Kinder hochheben. Das gilt auch bei Arbeiten im Garten! Das für die Darmdurchführung notwendige Loch (Stoma) schwächt die Bauchwand und es kann sehr leicht zur Hernienbildung (Bruch) kommen.  

Tipp: Beugen Sie vor.  Durch das Tragen einer Stomabandage kann diese Komplikation vermieden werden.
Sport und Freizeit


Genießen Sie trotz und mit Ihrem Stoma Ihre lieb gewonnenen Sport- und Freizeitaktivitäten. Sport tut Ihnen und Ihrem Körper gut. Doch ein paar Dinge gibt es zu beachten:

Generell gilt, dass Sie auf alle Sportarten verzichten sollten, die mit schwerem Heben verbunden sind. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Denn bei jungen, durchtrainierten Menschen, für die der Sport ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität darstellt, ist dies eventuell möglich. Hier sollte individuell mit dem Arzt dieses Thema abgeklärt werden.

Bei Ballsportarten ist der Schutz des Stomas mit einer Kappe anzuraten, um Verletzungen durch den direkten Ballkontakt vorzubeugen.

Damit keine „peinlichen“ Geräusche den Konzertbesuch oder ähnliche Veranstaltungen stören und das Selbstwertgefühl mindern, kann mit individuellen Ernährungsmaßnahmen vorgebeugt werden. Auch eine spezielle Abdeckung kann Blähgeräusche dämmen. Und nicht zu vergessen: Probiotikum. Das kann Bläh- und Darmgeräusche drastisch reduzieren.

Stomaversorgungsmaterialien sind auch beim längeren Aufenthalt im (Salz-)Wasser und bei Hitze absolut dicht. Daher ist ein Schwimm- und Sauna-Besuch problemlos möglich. Alternativ zu den normalen Beutelversorgungen bieten sich zum diskreten Tragen unter der Badekleidung auch Stomakappen an. Bei der Auswahl der Badebekleidung können Frauen auf Modelle zurückgegriffen werden, die etwas vom Bauch „ablenken“, d. h., die im Bauchbereich gerafft sind oder Strandtücher, die um den Bauch geschlungen wie ein Wickelrock getragen werden. Es gibt auch spezielle Stomabadeanzüge. Für Männer gibt es besondere Stoma-Badehosen, die etwas höhrer geschnitten sind.


Tipp: In der Tasche sollte stets ein Ersatz-Versorgungsmaterial sein - das gibt Ihnen Sicherheit für alle Eventualitäten.
 
Urlaub und Reisen


Bei Reisen liegt der Informationsbedarf hauptsächlich beim Versorgungsmaterial. Nehmen Sie immer genügend Versorgungsmaterial mit. Denn andere Essgewohnheiten können zu veränderten Ausscheidungen führen.

Reisen in heiße Länder bedeutet, dass sich das Versorgungsmaterial schneller aufbraucht, also auch hier ist ein größerer Vorrat sinnvoll. Ersatzmaterial lässt sich im Ausland nicht nur schwerer beschaffen, das Angebot der Materialien, Namen und Kompatibilität ist nicht immer gewährleistet. Darum vergessen Sie bitte nicht die Adresse Ihres Hilfsmittellieferanten mitzunehmen.

Sie verreisen mit dem Flugzeug? Bei Flugreisen sollte Versorgungsmaterial für eine Woche im Handgepäck mitgenommen werden, falls die Koffer abhandenkommen. Auch Medikamente gegen Durchfall oder Verstopfung gehören in die Reiseapotheke. Speziell für Flugreisen gibt es einen Nachweis für Stomaträger und die Mitnahme von Stomamaterialien in die Kabine. Diesen Nachweis können Sie jederzeit kostenlos anfordern:

Bitte kontaktieren Sie uns unter:
> E-Mail: info@nomamed.de
> Telefon: (05127) 95 57 - 0

Sie verreisen mit der Bahn? Dann empfehlen wir Ihnen, die Versorgungsmateralien an Ihren Urlaubsort oder Hotel schicken zu lassen. Das spart Gepäck und Gewicht.

Sie verreisen mit dem Auto und machen Rast? Für Menschen, die besondere Ansprüche (Platz, Hygiene, Hilfsmittel) an eine Toilette haben, setzt sich der CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt e. V.) seit Jahren für das Konzept zum einheitlichen Schlüssel für Toiletten in Raststätten, auf Autobahnen usw. ein. Nun vertreibt der Verein zentral in Deutschland und im europäischen Ausland den EURO-Toilettenschlüssel. Ebenso erhält man hier den Toilettenführer „Der Locus“ mit 6.700 Toilettenstandorten in Deutschland und Europa. Sie können hier Ihren Toilettenschlüssel beim BSK | Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. bestellen.
Ernährung


Die Ernährung bei einem Stoma sollte, wie für jeden Nichtbetroffenen auch, ausgewogen, vielseitig und vollwertig sein. Vollwertige Kost besteht aus einer ausgewogenen Mischung von Nahrungsmitteln, die Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine enthalten, zum Beispiel mageres Fleisch (weißes Fleisch wie Huhn oder Pute), Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte.

Ernährungs-Tipps und Rezepte
Berufsleben


Der „gewichtigste“ Punkt zu dem Thema Berufsleben vorweg: Regelmäßige, schwere körperliche Arbeit sollte vermieden werden, da sich sonst durch die Bauchdeckenöffnung Hernien und Prolaps bilden können die eine erneute chirurgische Intervention nötig machen.

Gemeint sind hier besonders Arbeiten im Baugewerbe, Paketauslieferung und Ähnliches. Alles was über 5-10 kg an Tragegewicht bedeutet kann gefährlich werden. Doch auch hierbei sei gesagt, dass Menschen mit trainierten Bauchmuskeln nicht so gefährdet sind wie Stomaträger/innen mit sehr weicher, „nach Süden zeigender“ Bauchdecke.

Zur Steigerung der Lebensqualität im Arbeitsumfeld ist es wichtig, einen Wasch- bzw. Toilettenraum in der Nähe des Arbeitsplatzes zu haben, der bestenfalls noch mit einem geschlossenen Mülleimer ausgestattet ist. Bei Berufen in lebensmittelverarbeitenden und vermarktenden Bereichen gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Hygienestandards.

Ist der berufliche Einsatz in ständig warmer bis heißer Umgebung (z. B. Koch, Bäcker, Arbeitseinsatz in heißen Ländern etc.) ist auf adäquates Stomaversorgungsmaterial zu achten, da dieses sich schneller aufbraucht.

Generell sollten Sie immer Ersatzversorgungsmaterial mitnehmen.

Ist der berufliche Alltag aufgrund der oben genannten Erfordernisse nicht mehr zu bewerkstelligen, wird die berufliche Rehabilitation eingeleitet. Das passiert bestenfalls noch in der Akut- oder Rehabilitationsklinik da hier Sozialarbeiter und Ärzte auf dem kurzen Informationsweg die Antragsformulare mit ausfüllen können, was im ambulanten Bereich oft lange Wege bedeutet.
Sexualität und Kinderwunsch


Gerade in der ersten Zeit nach einer Operation der Stomaanlage kann es zu Störungen der Sexualität psychischer oder physischer Natur kommen.

Physische Störungen treten besonders nach Entfernung des Enddarmes und Veränderung der Beckenorgane auf. Hier werden leicht Nerven geschädigt. Meist gibt sich die Dysfunktion durch Heilung der Operationswunden nach spätestens 3-6 Monaten. Treten nach diesem Zeitraum noch Schwierigkeiten auf, ist eine Untersuchung angeraten. Beim Mann kann sich häufig direkt nach der Operation eine erektile Impotenz oder der Verlust der Ejakulationsfähigkeit ergeben. Bei Frauen kann es zur Vaginaltrockenheit und Schmerzen beim Sexualverkehr kommen.

Auch können Schwierigkeiten durch die Stomaversorgung selbst auftreten. Am Anfang fürchtet man sich um die Dichtigkeit der Versorgung. Oder man hat Angst das Knistern stört oder das ästhetische fehlt.

Diskrete Versorgung für intime Momente
Dabei kann die Versorgung meist auf die kleinste mögliche Einheit reduziert werden (Stomakappe oder Minibeutel). Auch gibt es Beutelüberzüge, die anschmiegsam und individuell gestaltet werden können. Manche Stomaträger verstecken ihre Versorgung auch hinter einem „Bauchgürtel“ aus elastischem Verbandsmaterial oder einem „Kummerbund“. Das Intimleben braucht keine Einschränkungen erfahren.

Wichtig bei diesem Tabuthema ist, dass Sie den Mut finden, Ihre/n Stomatherapeutin/en anzusprechen, wenn sich Probleme ergeben, denn schließlich geht es um das Abfinden mit Situationen, mit denen man sich nicht abfinden muss.

Schwangerschaft
Grundsätzlich gilt, dass eine Stomaanlage kein Hindernis für eine Schwangerschaft darstellt. Ebenso kann die Entbindung auf dem physiologischen Wege stattfinden.

Allerdings ist in Bezug auf die Grunderkrankungen Folgendes zu beachten: Bei einem bestehenden Kinderwunsch bei Kolorektalen Karzinom sollten die Betroffenen vor Beginn einer Strahlenbehandlung abklären, ob eine Verlagerung der Eierstöcke während dieser Zeit sinnvoll ist. Die Strahlung kann zu Vernarbungen und Schädigung des Erbmaterials führen. Auch sollte einige Zeit nach der Chemotherapie verstrichen sein. Eine Beratung mit dem behandelnden Onkologen ist anzuraten.

Auf den Einlauf kurz vor der Entbindung kann sogar verzichtet werden, da keine Infektionsgefahr durch eventuelle Stuhlausscheidung im Dammbereich gegeben ist.

Ein neuer Weg ist immer ein Wagnis.
Aber wenn wir den Mut haben loszugehen,
dann ist jedes Stolpern und jeder Fehltritt
ein Sieg über unsere Ängste,
über unsere Zweifel und Bedenken.

Demokrit